Rauser-Boldt - Kompetenz in Medizin und Kommunikation

Kurs „Psychosomatische Grundversorgung“ auf systemischer Grundlage

Übersicht:

Dieser 80-Stunden-Kurs richtet sich an alle Ärztinnen und Ärzte, die ihre kommunikativen Fähigkeiten verbessern, mehr Sicherheit im Umgang mit ihren Patientinnen erwerben wollen, sowie ihr Wissen um psychosomatische Zusammenhänge erweitern wollen.

Sie werden lernen, wie Sie auf der Grundlage einer wertschätzenden Haltung in guten Kontakt mit Ihrem Gegenüber kommen, einem Menschen mit eigenen Erwartungen, Hoffnungen, Ängsten, eingebettet in einen Kontext von Familie, Freunden, Arbeit, materieller Absicherung oder Not, mit seinem eigenen Weltbild. Darauf aufbauend lernen Sie, wie Sie Aufträge Ihrer Patienten erkennen, die Sie annehmen oder ablehnen können.

Die Kommunikation auf systemischer Grundlage ist lösungsorientiert. Dabei gehen SystemikerInnen davon aus, dass jeder die für ihn passenden Lösungen für sich selbst finden kann und muss. Die Rolle des Arztes ist die einer fachkundigen Begleitung. Die Ärztin kann Vorschläge zur Therapie machen, aber sie lässt die Verantwortung der Entscheidung bei der Patientin (für oder gegen eine Operation, für oder gegen die Einnahme von Medikamenten).

Wenn Sie Lust haben, diese Art von Kommunikation zu erfahren, das dazu notwendige Handwerkszeug kennen zu lernen, Raum zu nutzen, sich darin zu üben, dann sind Sie bei dieser Weiterbildung richtig. Sie arbeiten während der Sitzungen mit Patientinnen und Patienten aus unserer Praxis und können eigene Patienten mitbringen.

In der patientenbezogenen Selbsterfahrung (die formal der in der tiefenpsychologischen Sprache gebräuchlichen „Balintgruppe“ entspricht) lade ich Sie zudem ein, Ihre eigenen Bedürfnisse zu stillen, zu erfahren, was Ihr Umgang mit Ihren Patienten mit Ihren eigenen Vorstellungen verbindet und wie Ihre eigenen Lebenserfahrungen Ihren Umgang mit Ihren Patientinnen und Patienten beeinflusst. Wir werden zahlreiche Methoden aus der systemischen Schatzkiste anwenden, wie z. B. Skulpturen stellen, Lösungsaufstellungen, Rollenspiele, Visualisierungen, Externalisierungen, Methoden, die es Ihnen erlauben, sich selbst mit allen Sinnen zu erfahren. Sie können Patientinnen und Patienten zur Live-Supervision mitbringen.


Rahmenbedingungen

Die Fortbildung findet im Rahmen von 10 ganztägigen Veranstaltungen samstags à 8 Unterrichtsstunden statt, insgesamt 80 h.  Jeder Tag beinhaltet einen abgeschlossenen Abschnitt der Weiterbildung, so dass eine individuelle Zeiteinteilung möglich ist. Die einzelnen Abschnitte werden fortlaufend alle 4 – 8 Wochen angeboten. Eine verbindliche Anmeldung ist per Post, Fax oswe E-Mail möglich.

Die Weiterbildung ist von der KV-WL anerkannt als Voraussetzung für die Abrechnung der Leistungen der psychosomatischen Grundversorgung und als Bestandteil der Abrechnung von Akupunkturleistungen. Jeder Tag ist durch die Ärztekammer Westfalen-Lippe mit 10 Punkten zertifiziert. Der Kurs ist nicht Bestandteil der Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Psychotherapie.

Die Selbsterfahrungsgruppe ist auch von der Ärztekammer Westfalen-Lippe für die Weiterbildung in Innerer und Allgemeinmedizin und Gynäkologie und Geburtshilfe anerkannt. Bisher liegt noch keine Anerkennung der Ärztekammer Westfalen-Lippe für die Theorie und die verbale Intervention vor. Ich arbeite daran...

Ort der Weiterbildung ist Dortmund-Bövinghausen, Bockenfelder Str. 234, in den Räumen unserer Praxis. (Tel. 0231 6992110)

Die Arbeit findet in kleinen Gruppen statt von bis zu maximal 24 Teilnehmer/innen. Bei Gruppengrößen von mehr als 15 arbeiten wir mit 2 Weiterbilder/innen. Auch die Theorie wird in Gruppenarbeit und nicht als Frontalvorlesung vermittelt.

Kosten der Weiterbildung

120 € je Kurstag, weitere Kosten fallen nicht an. Verpflegung ist inklusive. Jeder Tag kann einzeln gebucht werden.

Darüber hinaus können individuelle Coachingtermine vereinbart werden. Sprechen Sie uns an.

Inhalt der Weiterbildung

Die Weiterbildung ist gegliedert in 6 Thementage und in 4 Tage patientenbezogene Selbsterfahrung (Balintgruppe).

Inhalt der Thementage ist:

Grundlagen der Kommunikation

3 h Theorie – Prinzipien der non-direktiven Gesprächsführung, Theorie der Arzt/Ärztin-Patient/in-Beziehung unter Einbeziehung der unterschiedlichen Kontexte, In-Kontakt-Kommen mit dem Patienten (Joining).

5 h Praxis – Einüben verbaler Interventionstechniken in Kleingruppen ausgehend von vorhandener Praxiserfahrung der Teilnehmer/innen: Kontextanalyse, Auftragsklärung mit Hilfe offener Fragen, zirkulärer Fragen, hypothetischer Fragen, Skalierungsfragen.

Obwohl es sinnvoll ist, diesen Tag als ersten Weiterbildungstag zu absolvieren, können Sie jederzeit in die Weiterbildung einsteigen.

Die übrigen Themenbereiche umfassen:

Somatoforme Störungen und psychosomatische Erkrankungen (z. B. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Herzneurose, Tinnitus, Globusgefühl, Asthma bronchiale, WS-Syndrom, Colitis ulcerosa, M. Crohn, Zyklusstörungen)

Psychiatrische Erkrankungen (z. B. Depression, Angsterkrankung, bipolare Störungen, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen)

Sucht und Abhängigkeit (z. B. Tabak, Alkohol, Medikamente, Heroin, Kokain, Amphetamine, substanzunabhängige Süchte)

Krisen und Übergänge (z. B. Tod Nahestehender, Suizidalität, Aggressivität, Trennung, tödliche Erkrankung, Sterbebegleitung, Schwangerschaftskonflikt, unerfüllter Kinderwunsch)

Chronische Erkrankungen (z. B. KHK, Diabetes, Rheuma, Endometriose u. a.) und Copingstrategien

Dabei gliedert sich jeder Tag in 3 h Theorie und 5  Stunden Praxis. Der Theorieteil beinhaltet ätiologische Aspekte, Abgrenzungen, Diagnostik und Differenzialdiagnostik, Beziehungsgestaltungen und Behandlung, angereichert um spezifisches Wissen um Versorgungsformen und rechtliche Aspekte. Im Praxisteil üben Sie in themenbezogenen Rollenspielen, Mustergesprächen und weiteren Verfahren verschiedene verbale Interventionstechniken. Es finden Live-Gespräche statt. Sie können eigene PatientInnen mitbringen und vorstellen.

Patientenbezogene Selbsterfahrung/Balintgruppe

Jeder Tag enthält eine halbe Stunde Theorie (Grundlagen der systemischen Familientherapie, Interaktion in der Gruppe) und 7,5 h Praxis: Anhand der Vorstellung eigener Fälle durch die Teilnehmer/innen findet systemische Supervision in der Gruppe unter Einsatz systemischer Techniken (Skulpturarbeit, Strukturaufstellungen u. a.) statt, dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Zusammenhang der eigenen Lebenswirklichkeit mit dem vorgestellten Fall. Sie können eigene PatientInnen zur Live-Supervision mitbringen.

Lernerfolgskontrolle:

Der Lernerfolg wird laufend während der Sitzungen kontrolliert, indem die TeilnehmerInnen in Form von Rollenspielen und Anwendungsübungen das Gelernte umsetzen, darüber reflektieren und überprüfen.